Ein Bericht der Hessenschau über das geplante Gewerbegebiet bei Alsfeld

Hessneschau vom 11.12.2021

Leserbrief aus der oberhessischen Zeitung von Wolfgang Heyer

Fluch und Segen der Logistik, das DHL-Express Zentrum Alsfeld

wie ein sich ausbreitendes Krebsgeschwür, reiht sich mit zunehmender Intensität ein Logistikzentrum nach dem anderen längs der Autobahnen A5 / A7 und A4. Jetzt von Alsfeld bis weit über Friedewald hinaus. Jeder Bürgermeister, jede Gemeindevertretung oder Stadtverordnetenversammlung sieht darin die Heilsbringer, als Garanten für angeblichen Wohlstand, in Form von Gewerbesteuer und Arbeitsplätzen. Und dies alles vor dem Hintergrund der Co2 Diskussion und des Klimawandels.

Zumal der Landesentwicklungsplan Hessen 2000 (LEP) vorgibt, Versiegelungen bezogen auf Siedlungs- und Verkehrsflächen landesweit auf 2,5 ha pro Tag zu begrenzen. Bezogen auf das DHL Express Vorhaben bedeutet dies, dass in ganz Hessen für ca. 6 Tage im Jahr keine weitere Versiegelung stattfinden darf und bei jeder neuen Planung eines Gewerbe / Logistikgebietes auf die landschaftsplanerische Einbindung und ökologische Verträglichkeit Rücksicht genommen werden muss. In wieweit dies bei der Entscheidung der Stadtverordneten geschehen ist, bleibt zu hinterfragen. Denn eines dürfte jedem auch klar sein, Land ist nicht vermehrbar und geht mit der zügellosen Versiegelung unwiederbringlich verloren.

Die damit verbundenen Negativpunkte, wie der Verlust wertvollen Ackerbodens, der letztendlich zu unserer Ernährung beiträgt, die Verdrängung der Artenvielfalt, der einhergehende Verlust von Trinkwasserressourcen, der Zerstörung des Landschaftsbildes, die Aufheizung von Betonflächen und Gebäuden, die bei Nachtbetrieb einhergehende Lichtverschmutzung, die Parkprobleme der LKW-Fahrer, für den Fall, dass die Lenkzeit abgelaufen ist und die damit einhergehende Verschmutzung werden von den Entscheidungsträgern meiner Meinung nach geflissentlich außer acht gelassen, ob nun gewollt oder ungewollt.

Die Befürworter von Logistikansiedelungen solchen enormen Ausmaßes führen, wie oben angedeutet, immer die gleichen Argumente, wie  Arbeitsplätze und sprudelnde Gewerbesteuern ins Feld.

Nur wenigen Bürgern ist bewusst, dass mit steigender Gewerbesteuereinnahmen, gleichzeitig die Kreis- und Schulumlage sowie die Gewerbesteuerumlage steigt, Kürzungen bei Förderquoten und des kommunalen Finanzausgleiches einhergehen. Subtrahiert man diese Negativposten von der Gewerbesteuermehreinnahme, so bleibt im besten Falle nur ein kleines Plus übrig. Sofern dieses nicht durch die notwendigen Vorinvestitionen der Kommunen über Jahre hinweg absorbiert worden ist. So auch nachzulesen in den Betrachtungen des wirtschaftsnahen IFO-Institutes. Hier wäre eine entsprechende Güterabwägung zwischen tatsächlichem Nutzen und der Zerstörung der Umwelt und Landschaft durch die gewählten Volksvertreter sicherlich hilfreich gewesen.

Auch was die Schaffung von Arbeitsplätzen betrifft, so ist diese gerade im Logistikbereich, unter dem Blickwinkel der Automatisierung und der künstlichen Intelligenz zu sehen und zu hinterfragen.

Um dagegen anzugehen, um diesen Missstand zu beheben und entgegen zu treten, hat der Bürger, auch in Alsfeld, die kommunalverfassungsrechtlich verbriefte Möglichkeit eine Bürgerinitiative zu gründen und mittels eines Bürgerbegehrens / Bürgerentscheides ein solch monströses Unterfangen, wie es die Mehrheit der Stadtverordneten beschlossen haben, zu stoppen. Für erste Informationen ist die Webseite www.keinlogistikzentrum.de  den Mitgliedern einer Bürgerinitiative in Spee hilfreich. Dort wird die angesprochene Problematik von allen Seiten her beleuchtet.

Nicht nur in Fragen der Verminderung des CO2 Ausstoßes, sondern gerade in Fragen der zügellos großflächig fortschreitenden Versiegelung für Logistikzentren und der damit verbundenen Förderung des LKW-Aufkommens sehe ich nicht nur die Jugend der  Bewegung „ Friday for Future“ sondern auch die Politiker jeglicher Couleur in der Pflicht!

Aber letztendlich sind wir alle durch unser Einkauf- bzw. Bestellverhalten bei den bekannten Online-Händlern für solche, die Natur und Landschaft verändernden und vernichtenden Auswüchse selbst verantwortlich. Denn unser Verhalten, die bestellten Waren, wenn möglich binnen 24 Stunden geliefert zu bekommen, bedingt den Bau solcher Logistikzentren. Da packen wir uns, alle, wie wir sind, doch einmal selbst an die eigene Nase!